29 März 2015

Blog-Battle #9 - Körperkult

Die Liste der Körperkulte ist lang. Eigentlich viel zu lang. Die Möglichkeiten sind endlos. Vom Friseur, über die Nageldesignerin bis hin zum Schönheitschirurgen, alles ist möglich. Denn jeder hat seine eigene Vorstellung von Schönheit und braucht dementsprechend verschiedene Anlaufstellen. Kurzum: Der eine rennt regelmäßig zum Friseur, der andere sitzt ständig beim Piercer.

Schönheitsideale haben sich im Laufe der Jahre - Jahrzehnte, Jahrhunderte - immer wieder geändert. Diesbezüglich habe ich ein Video von BuzzFeed gefunden, das zeigt, wie sich die Frauenkörper im Laufe der Jahre geändert haben, was wann chic war und so weiter.

Schaut man sich das heutige Schönheitsideal an, ist es ein Mix aus verschiedenen Epochen unserer Geschichte.
Auch ich habe eines dieser heutigen Schönheitsideale - die thigh gap. Aber nicht weil ich sie schön finde, sondern vermutlich eher aus anatomischen Gründen. Zumindest habe ich somit ein Schönheitsideal an meinem Körper, wenn auch nicht mit Absicht.

Doch zurück zu den Körperkulten.
Ich habe dazu eine interessante Aussage gefunden: "Mit den Begriffen 'Körperkult' und 'Schönheitswahn' werden zeitgenössische Körperpraktiken kritisiert. Die Kritik richtet sich dabei nicht primär an jene, die sich solchen Praktiken unterwerfen, sondern an die Konsum- und Mediengesellschaft, die die ästhetischen Normen setzt und den eigenen Körper nicht selten als mangelhaft erscheinen lässt."

Wie käme Frau auf die Idee, sich den Busen größer und den Bauch flacher machen zu lassen, wenn sie es nicht im Fernsehen gesehen hätte? Würde Frau zum Friseur gehen, wenn sie sich nicht vorher die Frisurentrends in irgendwelchen Zeitschriften angesehen hätte? Und ob Tattoos und Piercings alltagsgerecht sind, lässt sich auch nur beurteilen, wenn man irgendwelche Berichte darüber gesehen oder gelesen hat.
Also: Ja, die Medien sind schuld daran, dass wir zum Friseur, Tätowierer, Piercer oder Schönheitschirurgen rennen. Wir wollen schließlich schön sein, und das um jeden Preis.

Auch ich bin gelegentlich einigen Körperkulten verfallen. Meine Piercings sind aus "haben wollen" und spontanen Entschlüssen heraus gestochen worden. Meistens hab ich sie als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke getarnt. Mein Vater wollte mir die Zunge rausschneiden, als ich mit Zungenpiercing nach Hause kam. Aber: Die Zunge ist noch drin und das Piercing auch. 
Mit 18 Jahren habe ich mir mein erstes Tattoo stechen lassen - aus spontaner, betrunkener Eingebung. Auf dem Esstisch meiner ehemaligen Nachbarin.
Einmal bin ich spontan zum Friseur gefahren und hab mir einen Sidecut schneiden lassen. Dann war ich mal mit meinem Freund auf dem Havelberger Pferdemarkt und hab mir dort wieder spontan ein Nasenpiercing stechen lassen und ja, es hat gezwiebelt. Vor fast einem Jahr hab ich mir wieder spontan einen Termin beim Friseur geholt und hab mir meine lange Mähne auf Schulterhöhe stutzen lassen.
Den nächsten Termin hab ich im April beim Tätowierer. Auch das war ein spontaner, lang gehegter Traum, -was für ein Widerspruch in sich - der in vier Wochen endlich wahr wird. Spontan war dieser Traum, weil ich einfach mal wieder Veränderung brauche - den lang gehegten Teil betrifft, wie so oft und mit allem im Leben, der finanzielle Aspekt. Ein Piercing für 40€ ist schnell zusammen gespart, ein Tattoo erfordert da schon etwas mehr Kleingeld.

Ich würde behaupten, dass ich nicht von den Medien dazu veranlasst wurde, mein Äußeres zu verändern, weil es gerade in Mode ist. Nein, meine körperkultischen Veränderungen entstanden zumeist aus einer spontanen Laune heraus, die sich wahrscheinlich bis an mein Lebensende so durchziehen werden. Ich meine, Tattoos und Piercings werden in unserer Gesellschaft nicht gerade hochgelobt, von daher werden sie wohl auch kein gängiges Schönheitsideal. Aber Schönheitsideale werden eben nicht nur von den Medien gemacht.

Jeder Mensch ist doch individuell und hat in gewisser Weise seine eigene Vorstellung von Schönheit. Und wenn ich der Meinung bin, dass mir Piercings und Tattoos stehen, dann ist das eben so. Das lass ich mir doch nicht von den Medien vorschreiben.


Hier kommt ihr zu den Beiträgen meiner Mitstreiter:

Schakals Gedankenwelten
Ichigo Komori
Das Wetterschaf
PAL
Chelsea
Justine Wynne Gacy
und der Lord selbst natürlich


Kommentare:

  1. Ich finde das ist dein bisher bester Post zum Battle ...
    Eine glatte 1!

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  2. Ein sehr persönlicher Einblick auf Deinen Körper.
    Etwas stört mich an dem Post, dass Du - genau wie das Video zum Schluss - rein das amerikanische Schönheitsideal (Körbchengröße Doppel-Z mit Thigh Gap) als gegeben ansiehst. Für Deutschland gelten da - glücklicherweise - andere Ideale (hoffe ich doch, immerhin ist der Silikonvorbau hierzulande nicht Pflichtprogramm für alle 18jährigen).
    Trotzdem ist das nur ein kleiner Kritik- aber kein Wertungs-Minuspunkt. Thema vorgegeben und gut erfüllt. 1- weil mir das gewisse Etwas fehlt, um mit Justine gleichzuziehen.

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  3. Zwar nicht von Medien beeinflusst, so aber von Mitmenschen. Von ganz alleine, ohne es je gesehen zu haben, wärst du sicherlich nicht auf die Idee gekommen. Deine Meinung in allen Ehren, aber unabhängig davon für mich eine solide 2.

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  4. Sehr schön und persönlich geschrieben. Von mir eine 1

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  5. Sehr schöner Beitrag, dafür gibt es von mir eine 1

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