05 April 2015

Blog-Battle #10 - Blut

© somadjinn
Oh man, was für ein weitreichendes Thema... Da weiß man ja gar nicht, wo man eigentlich am besten anfängt.

Man könnte ja sagen, dass Blut das Benzin oder der Diesel des Menschen ist. Ohne Blut könnte der Motor - also das Herz - nicht laufen. Das wärs an dieser Stelle aber schon, mehr gibt es da nicht zu sagen. Auf die anatomischen und biologischen Aspekte von Blut hat sicher keiner Lust.

Da ich keinen Post schreiben möchte, der immer nur kleine Themen anreißt, versuche auch ich mich heute einmal an einer Kurzgeschichte.

Schwarze Schönheit 

Als die Klinge über ihre Haut glitt, stellten sich die kleinen Härchen auf und eine Gänsehaut breitete sich auf ihrem Oberkörper aus. Sie zitterte leicht. Kein Wunder, die Raumtemperatur hier unten war niedrig und der Stahltisch, auf dem er sie festgebunden hatte, war auch nicht beheizt. Schließlich wurde der normalerweise zum Transport von Leichen benutzt, und die störten sich wenig an der Temperatur.

Er hatte viel Zeit und Geld in diesen Raum investiert, um ihn luftdicht zu versiegeln. Immer wieder musste er die Dichtungen an der Tür und den Fenstern flicken, damit alles hermetisch abgeriegelt war, nachdem er seine Opfer hier rein gebracht hatte. Es gelang nur Luft hinein, wenn er die Tür öffnete. Und die war recht schnell verbraucht, je nachdem wie heftig seine Opfer sich wehrten und atmeten. Er selbst hielt die Luft an, sobald er die Tür öffnete. Er hatte das jahrelang trainiert. Sobald er sein bewusstloses Opfer auf dem Tisch festgebunden hatte, schnallte er sich seine Taucherausrüstung um, damit der Sauerstoff im Raum für sein Opfer blieb.

Es erregte ihn, wie sie versuchte, gegen ihre Fesseln anzukämpfen. Vergebens, natürlich. Er hatte sie so fest gemacht, dass sie sich kaum einen ganzen Zentimeter bewegten. Die Fesseln hinterließen rote Striemen auf ihrer Haut, schnitten sich aber nicht hinein. Gut so, denn er wollte selbst bestimmen, wann das Blut fließen sollte. 

Sie war nicht sein erstes Opfer dieser Art. Unzählige Mädchen hatten bereits auf diesem Tisch gelegen und ihr Ende herbei gesehnt. Meistens dauerte es aber eine Weile, bis die Lichter sich ausschalteten. Was für ihn ein Genuss war. Er liebte es, wenn das Blut langsam vor sich hin rann und sich seinen Weg die Haut entlang bahnte.

Während er mit der Klinge weiter über ihre Haut streifte, dachte er darüber nach, wie einfach es doch gewesen war, sie mit zu sich nach Hause zu locken. Sie saß allein an der Bar in dem Café und stocherte mit dem Strohhalm in ihrem Tequila Sunrise herum. Er musste sich nur zu ihr setzen, ihr ein paar Komplimente zu ihren wundervoll großen Augen und ihren hübsch zurecht gemachten Haaren machen und schon hing sie an seinem Haken. Ja, sie war wirklich hübsch. Aber das schien schon länger niemandem mehr aufgefallen zu sein, denn sonst hätte sie nicht allein an der Bar gesessen. Als er sie ansprach, machte sie zunächst große Augen, doch das legte sich nach seinen ersten Worten. Er hatte eine Stimmlage, die schnell Vertrauen erweckte. Ihr Blick wurde entspannter und sie gab ihm das Gefühl, alles mit sich machen zu lassen, wenn er denn wollte. Natürlich wollte er. Und wie. Aber nicht das, was sie gedacht hatte.

Er bestellte ihr noch einen weiteren Tequila Sunrise und schenkte ihm dafür ihr bezauberndstes Lächeln. Fasziniert schaute er tief in ihre Augen und fragte sie, ob sie die Nacht nicht bei ihm verbringen wollten. Ihre strahlend blauen Augen fingen an zu leuchten, doch sie wich seinem Blick aus und ließ die Schüchterne heraushängen. Diesen Trick hatte er schnell durchschaut, denn er sah an ihrer Körperhaltung, dass sie mehr als nur willig war, mit ihm zu gehen. Die Kleine hatte schon lange niemanden mehr im Bett gehabt. Nach ein wenig hin und her und gutem Zureden konnte er sie doch dazu bewegen, mit ihm zu gehen. Nicht weiter verwunderlich, wer weiß, wann sie so eine Gelegenheit mal wieder bekommen hätte.

Als die Klinge ihre Brustwarzen streifte, richteten sich diese augenblicklich auf. Bei der Kälte hätten sie eigentlich schon stehen müssen, doch sie schien noch eine gute Körpertemperatur zu haben. Aber nun standen sie und der Puls in seinen Lenden begann heftiger zu pochen, als er sich vorstellte, wie er dort bald wirklich entlang schneiden würde.

Ein Blick auf die Anzeige seiner Druckluftflasche sagte ihm, dass er noch Atemluft für ungefähr eine halbe Stunde hatte. Das sollte reichen. Er richtete sich auf, streifte sich die schwarzen Latex-Handschuhe über und legte das Messer zur Seite. Dann ging er zum Fenster, zog den Vorhang zu, schaltete die Lampe über dem Tisch ein und betrachtete noch einmal die bleiche, reine Haut. Wunderschön und strahlend zugleich. Gleich würde sie noch schöner aussehen. Wenn das Blut sich seinen Weg bahnen wird.

Ihm fröstelte bei dem bloßen Gedanken daran. Sie hatte mittlerweile aufgehört, an ihren Fesseln zu rütteln und ihre Atmung ging flacher, denn die Luft im Raum wurde stetig dünner. Sobald sie nur noch schnappend atmen würde, konnte er endlich zur Tat streiten.

Er griff mit der rechten Hand nach dem Skalpell, mit der linken fühlte er ihren Herzschlag. Es war wichtig, dass der Motor noch lief, andernfalls wäre das Projekt gescheitert. Die Minuten verstrichen und langsam hob und senkte sich ihr Brustkorb ruckartiger und in länger werden Abständen. Er setzte ihr eine Sauerstoffmaske auf, ließ sie drei Mal ein- und ausatmen und nahm ihr die Maske dann wieder ab.

Mit dem Skalpell fing er nun an, die Venen an ihrem linken Arm aufzuschneiden. Es floss zunächst warm und rot an ihrer Haut entlang, färbte sich dann aber durch den mangelnden Sauerstoff schwarz. Er machte das Gleiche mit dem anderen Arm. Anfangs waren die Blutstraßen noch rot, wurden aber schnell schwarz. Um nicht allzu viel Zeit verstreichen zu lassen, ging er gleich zu den Beinen über. Anschließend nahm er sich den Oberkörper vor. Das Blut bildete sein eigenes Straßennetz auf ihrer bleichen Haut. Die einst weiße, unbefleckte Haut war nun von einem schwarzen Gebilde aus Blut bedeckt. Der Anblick verursachte ihm eine Gänsehaut, doch er genoss ihn. Das war sein bestes Werk. So perfekt würde er das nie wieder hin bekommen. Sie sollte sein letztes Opfer sein und es war perfekt geworden. Seine Lenden bebten heftig. Er konnte den Blick kaum von seinem Meisterwerk lösen, doch es sollte hier und heute enden. Mit der Zunge fuhr er das Skalpell entlang und schmeckte ihr rostiges Blut. Dann atmete er tief durch, verinnerlichte noch einmal diesen wunderschönen Anblick und schnitt sich die Kehle durch. Er sackte auf dem Boden zusammen und schwarzes Blut spritzte aus seinem Hals, während er röchelnd erstickte.

P.S. Ich weiß noch nicht, ob ich es heute pünktlich schaffe, die Beiträge zu kommentieren - falls nicht, hole ich das bis morgen nach!


Hier kommt ihr zu den Beiträgen meiner Mitstreiter:

Schakal 
Wetterschaf (setzt aus?) 
Der Dychterfyrst (setzt aus) 
PAL 
und der Lord natürlich

Kommentare:

  1. Ich finde es super das du dich an eine Kurzgeschichte getraut hast :D
    Dafür eine 1!

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  2. Mir gefällt diese Kurzgeschichte hier auch sehr gut und ich gebe dir ebenfalls eine 1

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  3. Erst einmal wünsche ich dir nachträglich noch alles Gute um Geburtstag!
    An sich gefällt mir die Geschichte ganz gut, jedoch ist das Opfer für meinen Geschmack noch ein wenig zu ruhig und "unbeteiligt".
    Von mir gibt's heute eine 2++

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  4. Der Vergleich hinkt ziemlich. Das Herz "verbraucht" kein Blut wie ein Motor Treibstoff.
    Die Geschichte wirkt ein wenig stereotyp, hat aber durchaus unübliche Ideen. Das Ende ist überraschend und das ist gut, sonst wäre sie langweilig geworden, allerdings fehlt mir ein wenig seine Motivation für den Selbstmord. Ist es nur die erreichte Perfektion? Für mich hört es sich so an, als wäre dies so oder so sein letzter Mord gewesen.
    Etwas mehr Tiefe für ihn und vielleicht etwas weniger Klischee am Anfang wären schön gewesen, so gibt es eine zwei plus.

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  5. Interessante Geschichte mit einem unerwarteten Ende, allerdings kam mir dieses irgendwie zu plötzlich und war zu schnell vorbei. Dennoch für den ersten (?) Versuch überraschend gut. Mit dem Abstrich, den ich Pal ebenfalls zugestehen muss - irgendwie wie jeder herkömmliche Roman. Dennoch für mich eine 1-

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