14 März 2016

Willkommen in Nazi-Deutschland 2.0

Ich bin wohl bei weitem nicht die einzige, die über die Ergebnisse der Landtagswahlen gestern ehrlich schockiert ist.
Gut, es ist natürlich schön zu sehen, dass die Wahlbeteiligung zugenommen hat. Das rechtfertigt aber in keiner Weise, dass eine Partei, die unmenschlicher nicht sein könnte, Wählerstimmen im zweistelligen Bereich bekommt. Ich bin wirklich entsetzt darüber, dass es Wähler gibt, die sich von den hohlen Phrasen der AfD blenden lassen - nur weil sie mit der aktuellen Situation ein Problem haben.

Wähler, die diese Partei mit ihrer Stimme unterstützen, bekommen vielleicht ihre Alternative in der Politik. Ob ihnen diese Alternative allerdings wirklich so lieb ist, wie sie bei ihrer Stimmvergabe gedacht haben, wage ich zu bezweifeln.

Diese Protestwähler unterstützen rechtes Gedankengut und werden mitverantwortlich sein, dass es immer wieder Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte geben wird. Das kann und will ich nicht dulden. Wenn ich mir vorstelle, dass gestern nur drei Bundesländer ihren Landtag gewählt haben, dann möchte ich mir gar nicht erst ausmalen, wie die Ergebnisse nächstes Jahr bei den Bundestagswahlen aussehen werden, wenn alle 16 Bundesländer ihre Stimme abgeben.

Es ist bei weitem keine einfache Situation, für niemanden. Aber man stelle sich doch nur einmal vor, man wäre in der gleichen Situation wie die Flüchtlinge. Sie flüchten aus ihrem Heimatland, um dem Krieg zu entfliehen. Sie wollen sich ein neues Leben aufbauen und sind wirklich dankbar für Spenden - jedweder Art. Keiner von uns würde unter den Zuständen leben wollen, die in den Flüchtlingsunterkünften herrschen. Auch Integration ist dabei wichtig. Doch auch bei der Integration gibt es Hürden. Die Flüchtlinge müssen Sprachkurse belegen, um sich verständigen zu können. Auch dabei könnten Freiwillige helfen. Wenn sie denn wollten...

Ich habe in einer Schule ein Soziales Jahr gemacht und zum Ende hin wurden auch dort Flüchtlingskinder integriert. Kleine Kinder wurden eingeschult, andere wurden in eine ihrem Alter entsprechenden Klasse gesetzt. Von den Kindern wurden sie sofort akzeptiert und trotz Verständigungsproblem integriert. Nicht so von manchen Lehrern. Und das war eine bittere Erkenntnis. Wie sollen Flüchtlingskinder vernünftig integriert werden, wenn Lehrer eine rechte Meinung haben? Sie wollen Pädagogen sein, sind aber gegen Flüchtlinge? Das passt nicht zusammen. Ganz ehrlich. Ein Pädagoge sollte jedem Kind, egal welcher Herkunft, offen gegenüber stehen und nicht von vornherein mit einer Anti-Haltung an die Sache rangehen oder dem Wissen, dass sie "eh nicht ewig" bleiben. Das ist traurig. Diese Leute haben ihren Beruf vollkommen verfehlt.

Das viele gestern ihre Stimme der AfD gegeben haben, war natürlich nicht, weil sie ein so tolles Wahlprogramm haben. Nein, sie missbrauchten ihre Stimme als Protest, um ihrem Ärger Luft zu machen. Doch was erwartet uns denn jetzt? Ich habe da eine nette Auflistung gefunden, aus der ich mir ein paar Sachen heraus gesucht habe: Auflösung der EU, Kürzungen der Sozialleistungen, Abschaffung der Emanzipierung, Grenzen schließen, Rückkehr zur Atomkraft, mehr Überwachung, harte Strafen, Austritt aus dem Euro. (Quelle: Kaptän Schwandt)

Tja, dann kehren wir Frauen mal zurück an den Herd, bezahlen mit der guten alten Reichsmark, sorgen für einen katastrophalen Klimawandel, lassen uns von der Gestapo abhören und foltern, wenn wir gegen das System sind. Achja, und natürlich müssen wir verheiratet bleiben, da Scheidungen völlig absurd sind und Abtreibung gehört sowieso bestraft.

Nein, danke, aber ich möchte nicht in einem Land leben, bei dem das Volk zum Nationalsozialismus zurückkehren will. Aber das scheint gerade bittere Realität zu werden.


Kommentare:

  1. Ich knickse artig und gebe dir einfach nur Recht ...

    AntwortenLöschen
  2. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...
    Traurig solche Vorbilder. Die können sich von ihren Zöglingen noch was abschauen.

    Ich fürchte es immer mehr, dass es wieder gelingt aus der Angst der Menschen eine Politik der "einfachen Lösungen" zu machen. Man kann die Probleme, die es gibt, nicht einfach lösen. Der Versuch einfacher Antworten ist Grundlage jedes Radikalismus. Ob AFD oder Daesh.

    Liebe Grüße
    Jakob

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, aber leider traurige Realität..

      Na klar, wird es gelingen die Angst der Menschen so auszunutzen, um es für ihre Zwecke zu nutzen. Der sogenannte "kleine Bürger" fühlt sich überrumpelt und ist von der Situation angepisst. Er fühlt sich unterdrückt und ungerecht behandelt, also muss er seinem Ärger Luft machen. Wie und mit welchen Auswirkungen ist ihm dabei egal..

      Löschen